Zehn Tage, ein Titel und jede Menge Teamwork

Gerade haben wir das Finale der „Intercontinental Basketball Club Championships“ gegen den australischen Vizemeister Cairns 84:67 gewonnen. Es war die klar beste Leistung unserer Mannschaft bis jetzt, gegen den bisher am strukturiertesten spielenden Gegner. Die Euphorie bordete nach nach dem verdienten Sieg nicht unbedingt über, aber ein wenig Spaß hatten die Jungs schon, wie man sieht:

Vor uns hat das US-Team aus Kentucky (das gegen Cairns untergegangen war) mit den NBA-Spielern Paul Pierce und Michael Beasley im Spiel um Platz drei recht deutlich gegen die Peking Ducks gewonnen. Pierce hat nicht wirklich viel gespielt, aber Beasley wollte es richtig wissen und hat sich gleich mit den chinesischen Spielern angelegt. Keine gute Idee eigentlich, aber unterm Strich blieb es dann doch recht friedlich. Sun Mingming, der größte Basketballer der Welt, durfte heute auch endlich mal ran für das Beijing-Team und hat die Halle mit einem Dunking (aus dem Stand ohne zu Springen) kurz nach seiner Einwechslung direkt zum Kochen gebracht.

Endlich kann ich diesen Artikel abschicken, denn seit Samstag hatten wir Internet-Totalausfall im Hotel und keiner wusste so richtig, wann der Schalter wieder umgelegt wird. Der Ausfall hat vor allem unseren Athletiktrainer Jussi, der übers Netz einen Job zu erledigen hatte, richtig auf die Palme gebracht. Und dass mit dem eigentlich lustigen Kerl dann überhaupt nicht mehr zu Spaßen ist, bekam die Dame an der Hotelrezeption in ganzer Fülle zu spüren. „That last thing you wanna do, is make Jussi angry!“, kommentierte DaShaun Wood die Szene nur.

Aber sein Protest-Gewitter blieb ohne Wirkung. Wenn man in China zurechtkommen will, muss man sich einfach damit abfinden, dass nicht immer alles funktioniert. Die Mentalität dazu hier ist komplett anders. Ständig wechselnde Pläne und Überraschungen gehören einfach dazu. Trotzdem versuchen sich alle sehr liebenswert um uns zu kümmern, wir wurden hier wirklich über all sehr warm und gastfreundlich empfangen.

So auch beim gestrigen Nobel-Dinner mit den Sponsoren der Veranstaltung, chinesischen Basketball-Funktionären sowie Delegationen des chinesischen, des australischen und unseres Teams. Es ist eine der zahlreichen Veranstaltungen, die Marco Baldi und Mithat Demirel hier in Peking besuchen, um neue Kontakte zu knüpfen. Man sieht die beiden eigentlich kaum noch im Hotel, sondern nur noch im Anzug durch die Lobby zum nächsten Termin verschwinden.

Marco Baldi mit den Verantwortlichen der Beijing Ducks

Bei dem Dinner hatten wir die Gelegenheit, neben den Köpfen hinter dem Turnier auch zwei der Spieler des Aussie-Teams kennenzulernen. Und wie es immer so ist, entdeckten Derrick Allen und Lamar Wilson, der einzige US-Amerikaner der Cairns Taipans, gleich mehrere gemeinsame Basketball-Bekannte aus vergangenen Club-Stationen und damit einigen Gesprächsstoff. Und auch Kyle Weaver, der als zweiter Spieler mit dabei sein durfte, traf in dem australischen Assistenztrainer einen alten Bekannten aus seiner College-Zeit wieder und vertiefte sich gleich in ein langes, angeregtes Gespräch. Die Basketball-Welt ist ein Dorf!

Lehrer von der Deutschen Botschaftsschule Peking zu Besuch bei unserem Finalspiel. Unsere Gruppenspiele haben sie im chinesischen Fernsehen verfolgt.

Unsere Spieler leben bisher in ihrem Essen-Schlafen-Sport-Rhythmus und verbringen die meiste Zeit im Restaurant, der Sporthalle oder ihrem Zimmer. Dabei macht das Team nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich einen homogenen Eindruck. Es geht meistens sehr ruhig und harmonisch zu, die Spieler wirken fokussiert und auch von Konflikten war bis jetzt nichts zu spüren. Auf dem Feld sieht das natürlich etwas anders aus. Da hat sich wie schon beschrieben, DaShaun von Beginn an als klarer Anführer herauskristallisiert, der seinen Teamkameraden stets einiges zu erzählen hat. Auch Derrick Allen ruft beim Training schon mal die ganze Mannschaft zusammen, um eine kurze, eindringliche Ansprache zu halten. Das Team ist dabei über die letzten zehn Tage spürbar enger zusammen gewachsen. Hoffentlich geht es mit unseren drei erst Mitte September dazu stoßenden Nationalspielern genauso schnell. Aber dafür wird allein schon unser Coach Sorge tragen, der viel über Teambuilding und die mentale Verfassung seiner Spieler nachdenkt und so beispielsweise nach dem Hotel-Wechsel die Doppelzimmer-Belegungen neu durchgemischt hat.

Unser Aufsichtsrat Dr. Axel Schweitzer nutzte seinen China-Besuch, um die neuen Spieler im Team kennenzulernen

ALBA-Coaches hören nie auf, zu arbeiten: Mauro, Alan und der Head Coach Gordie noch am Frühstückstisch bei der Video-Analyse

Am Freitag bekam das Team bei der ersten größeren Teambuilding-Maßnahme, einem gemeinsamen Ausflug zum „Silk Market“, endlich auch mehr von Peking zu sehen. Das auf sechs Etagen aufgeteilte Kaufhaus, in dem es vornehmlich Kleidung, Elektrogeräte und Schmuck zu kaufen gibt, erinnert an einen riesigen Basar. Aus jedem der kleinen Läden wird man mit Sprüchen wie „Hey, I know you!“, „Hey friend, I saw you yesterday, please come in!” oder (mein persönliches Highlight) „Hey, I know your mother!“ angesprochen und wie es sich für einen ordentlichen Markt gehört, muss man um jeden Preis feilschen. Während die meisten Spieler staunend und etwas verwirrt an den zahlreichen Ständen vorbei schlenderten, hatte Derrick Allen einen Heidenspaß. Er entpuppte sich als passionierter Feilscher und diskutierte unerbittlich mit den Verkäufern, auch wenn er eigentlich gar nichts kaufen wollte.

Leider konnte uns im Anschluss keiner der Spieler mehr mit zum Tiananmen Square begleiten, da alle zurück ins Hotel mussten, um Kraft zu tanken. Den größten öffentlichen Platz der Welt (400.000 Quadratmeter) mitten im Herzen von Peking zu besichtigen, hat nämlich durch seine offensichtlichen Geschichtsträchtigkeit, die umfassenden Überwachungsanlagen und den puren Gigantismus eine einmalige Wirkung. In gewisser Weise ist dieser Platz sehr symbolisch für China.

Ebenfalls Symbolisches, aber etwas anderer Art, sieht man, wenn man vom Tiananmen Platz unterm dem berühmten Mao-Bildnis hindurch das in mehrere Höfe unterteilte Tor des Himmelsfriedens betritt. In diesem Eingangsbereich zur verbotenen Stadt, der ehemaligen Kaiserstadt, kommt man nämlich als erstes an einem Basketballplatz vorbei. Ein ziemlich surreales Bild, wie sich inmitten der traditionellen Gebäude Hunderte und Tausende von chinesischen Touristen an dem Feld vorbei Richtung verbotene Stadt schieben, während daneben sechs Soldaten in Militärkleidung Drei gegen Drei spielen!

Assistant Coach Alan vor dem Tor des Himmelfriedens

So langsam neigt sich die China-Reise jetzt schon dem Ende entgegen. Das Turnier ist rum und morgen geht’s zur chinesischen Mauer. Dienstag wird noch einmal trainiert und Mittwoch fliegen wir zurück nach Deutschland.

To be continued – mindestens noch ein Mal. Jan

P.S.: In der Pekinger U-Bahn sind Handgranaten verboten!

Über albaberlin

Hier bloggt sich Jan Buchholz aus der Abteilung Kommunikation & Medien bei ALBA BERLIN durch die Basketballwelt.
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